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Liebe Freunde und Wegbegleiter von Gorilla,

leider ist es nun traurige Gewissheit. Wir begehen heute, am 30. Juni 2009, unseren letzten Gorilla Tag. Damit findet eine kleine Berliner Pioniergeschichte ihr vorläufiges Ende.

Wir sind angetreten um die Menschen in unserer Stadt mit natürlichen regionalen Produkten und ursprünglichen Geschmäckern glücklich zu machen. Wir sind auch angetreten, um etwas zu bewegen und der Industrialisierung von Lebensmitteln und Lebewesen eine wahrhaftige Alternative entgegen zu stellen. Dabei haben wir viele kleine und große Fehler gemacht, die in der Summe dafür gesorgt haben, dass wir unseren Weg nicht weiter beschreiten können. Unsere Leistungen lassen sich bisher leider nur mit ein paar tausend Euro beim Insolvenzverwalter beziffern. Ich bin mir sicher, dass wir rückwirkend betrachtet, mit Freude und  Stolz auf unsere Taten und Erlebnisse während dieser wilden, spannenden und manchmal Kräfte zehrenden Zeit bei Gorilla zurückschauen werden.

Wir möchten „Danke“ sagen. Dafür, dass Sie und Ihr uns bis hierher begleitet haben. Wenn wir mit Gorilla einen kleinen Teil dazu beitragen konnten, dass natürliches und gesundes Essen wieder an Attraktivität gewonnen hat, macht uns das glücklich.  So lebt ein kleines Stück von Gorilla weiter, in den Herzen und Köpfen von 56 einzigartigen Mitarbeitern, in den Gedanken von vielen treuen Partnern und Gästen und vielleicht auch in dem einen oder anderen Konzept da draußen. Wir wünschen allen, die uns auf unserem Weg nachfolgen von ganzem Herzen maximalen Erfolg! Für sich, für uns und die Welt auf der wir leben.

Danke, auf Wiedersehen und natürlich weiterrocken.

Herzliche Grüße,
Matthias Rischau

Gorilla Geschäftsführer für nur noch 9 Stunden

Es hat nicht sollen sein. Die Anstrengungen um Gorilla mit einem Sanierungskonzept in seiner Originalform samt Arbeitsplätzen am Leben zu erhalten sind gescheitert. Das ist für alljene bitter, die sich in den letzten Wochen mächtig ins Zeug gelegt haben um mit Know how und einer klaren Zielvorstellung den Weg aus der Krise zu zeichnen und dafür mit Geldgebern gesprochen haben.  Es gab ein tragfähiges Konzept, gebaut von erfogreichen Gastronomen, gewieften Betriebswirtschaftlern und strategischen Markenprofis. Nach dem finalen Rückzug des Erstinvestors, der die Immobilien in der Jägerstrasse und Friedrichstrasse besitzt, ist dieser Plan in der Form nicht mehr durchführbar. Das heisst, das morgen das Insolvenzverfahren planmäßig eröffnet wird und der vom Amtsgericht beauftragte Verwalter das meistmögliche aus der Gorilla-Masse im Auftrag der Gläubiger herauszuholen hat.

So werden sich also schlussverkaufstechnisch ein paar Interessierte an Küchenmaschinen und Anrichten schadlos halten, die Läden sperren zu und bald schon werden in den Toplagen Friedrichstrasse und Jägerstrasse neue Mieter einziehen, umbauen und vielleicht ein neues tolles Gastrokonzept mit frischer Kohle durchziehen. So spielt das Leben. Aber auch wenn die „Sachwerte“ hier vergehen, die Idee und das Konzept von Gorilla, mit all seinen Schwächen und Systemfehlern wird weiterleben. Und dann ist da noch Matthias Rischau, samt einer eingeschworenen Truppe von Nicht-Aufgebern. Denn in der Knesebeckstrasse, der eigentlichen Wiege des Gorilla, regt sich Widerstand und der feste Wille für den Charlottenburger Laden eine Lösung zu finden.

Krise als Chance, aus den Fehlern lernen, an seine Idee glauben, es besser machen – alle diese floskelhaften Worte kommen einem in den Sinn, hört man dem Gründer zu.  Ganze Brand eins Hefte sind mit solchen Stories gefüllt, daher sollte man nicht zu früh hier abhaken. Vielleicht lautet die Losung erstmal BACK2THEROOTS? Sich zurücknehmen, neue Kraft sammeln. Darauf besinnen was wirklich zählt?
Heute abend sagt erstmal das Original-Lokal in der Knesebeckstrasse leise Servus und alle Gorillaretter sind eingeladen vorbeizumkommen um sich vom Gorilla wie wir ihn kennen- und liebengelernt haben zu verabschieden. S0 wie ich Matthias kennengelernt habe und mit all dem was ich über Gastronomie in den letzten Wochen habe lernen dürfen, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass diese Geschichte an der Stelle noch nicht zu Ende geschrieben ist.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die in den letzten Wochen so tatkräftig mitgeholfen haben, immerhin waren auf diesen Blog über 5000 Besucher, unser Support hat für Zusammenhalt gesorgt und ist nicht ganz unschuldig dran, dass es dort in Charlottenburg ähnlich einem berühmten gallischen Dorf eine hochmotivierte Resistance gibt. Ob sie einen Zaubertrank haben ist nicht überliefert, wäre aber durchaus möglich das sie daran arbeiten.

Wer Interesse daran hat, kann mal wieder hier vorbeischauen (oder per RSS abonnieren), sollten sich gorillaretter-relevante Neuigkeiten ergeben, werde ich informieren.

Martin